Weißtanne
Abies albaDas Rückgrat. Ruhig im Wuchs, astarm im unteren Stamm, und sie arbeitet weniger als Fichte. Alles Tragende ist aus ihr.
- Rohdichte
- 410 kg/m³
- Schlag
- Januar, abnehmend
- Revier
- Hirschberg, Nordhang
47°42′N · 11°45′O · Tegernsee
TANN, Zimmerei am Tegernsee. Wir bauen aus mondgeschlagener Weißtanne, von Hand abgebunden, ohne Leim. Fundament, Schwelle, Ständer, Sparren. In dieser Reihenfolge, seit vierhundert Jahren.
Firsthöhe 732 cm über Schwelle, Sparrenlänge 647 cm, Kniestock 110 cm. Aufgerichtet in vier Tagen von sieben Zimmerern.
Ein Haus wird nicht gebaut. Es wird abgebunden, gerichtet und dann in Ruhe gelassen.
Wir sind eine Zimmerei, kein Bauträger. Vier Häuser im Jahr, mehr geht nicht, wenn jedes Teil von Hand seine Verbindung bekommt. Der Riss entsteht auf dem Reißboden in der Halle in Gmund, in Originalgröße, mit Reißnadel und Schnur.
Was wir verbauen, wächst zwischen Hirschberg und Wallberg. Wir kennen die Hänge, auf denen die Tanne langsam wächst und dicht wird. Kein Leim, keine Stahlwinkel, wo ein Zapfen genügt. Ein Haus, das man zerlegen kann, ist ein Haus, das man reparieren kann.
Jedes Holz kann eine Sache besser als die anderen. Wir zwingen keinem eine Aufgabe auf, für die es nicht gewachsen ist.
Das Rückgrat. Ruhig im Wuchs, astarm im unteren Stamm, und sie arbeitet weniger als Fichte. Alles Tragende ist aus ihr.
Für alles, was Wetter sieht. Fassade, Deckung, Terrasse. Sie vergraut in vier Jahren zu Silber und hört dann auf, sich zu verändern.
Nur innen, nur dort, wo man schläft. Der Duft hält vierzig Jahre. Wir kaufen sie in Tirol zu, weil sie hier nicht wächst.
Vier Häuser aus den letzten Jahren. Jeder Giebel unten ist aus seiner echten Neigung und Spannweite gerechnet, nicht gezeichnet.
Der Riss auf dieser Seite. Ständerbau in Weißtanne, Kniestock 110, das Dach nach Süden zum See gedreht.
Ein alter Bauernhof, entkernt bis auf den Blockbau. Steiles Dach, weil der Schnee hier bis in den April liegt.
Flach geneigt, weil das Ufer keine Höhe verträgt. Ein Raum, ein Ofen, eine Fensterfront auf das Wasser.
Elf Meter Spannweite ohne Stütze. Wir haben den Dachstuhl gehoben, saniert und wieder abgesetzt.
Drei Jahre vom ersten Gang durch das Revier bis zur Übergabe. Das meiste davon ist Warten, und das ist der Punkt.
Wir gehen mit dem Förster durch das Revier und suchen die Stämme aus, aus denen Ihr Haus wird. Sie kommen mit. Das ist keine Folklore, sondern der einzige Termin, an dem noch alles offen ist.
Geschlagen im Januar, bei abnehmendem Mond, wenn der Saft unten steht. Das Holz bleibt formstabiler, trocknet ruhiger und reißt weniger. Ob der Mond selbst etwas tut, weiß niemand. Der Zeitpunkt tut es.
Gestapelt unter Dach, mit Stapelleisten, im Zug. Zwei Jahre. Keine Kammer, kein Gebläse. Wer hier abkürzt, hört es später im Winter knacken.
Der Riss wird auf dem Reißboden in Originalgröße aufgetragen, dann von Hand abgebunden. Zapfen, Versatz, Schwalbenschwanz. Jedes Teil bekommt seine Nummer eingeschlagen, bevor es die Halle verlässt.
Fundament, Schwelle, Ständer, Pfetten, Sparren. In vier Tagen steht der Rohbau, in der Reihenfolge, in der er seit vierhundert Jahren steht. Am letzten Abend wird der Richtbaum aufgesetzt.
Zwischen Aufrichte und Schlüssel liegen neun Monate Ausbau. Danach kommen wir nach einem Jahr wieder, ziehen die Verbindungen nach und gehen einmal ums Haus.
Wer im Winter Holz will, meldet sich bis Oktober. Schreiben Sie uns, was Sie vorhaben, und wir sagen Ihnen ehrlich, ob wir die richtige Zimmerei dafür sind.