Séraphita
Die Erstlinie. Androgyne Schnitte in Wolle und Roßhaar, jede Naht von Hand verstürzt, kein Reißverschluss, nur Häkchen und Öse.
Anvers · Haute couture · depuis 2019
Séraph ist ein Atelier in Antwerpen. Jedes Stück beginnt als Zeichnung, wird an der Büste gefunden und von sechs Händen zu Ende geführt. Keine Serie, keine Eile.
Zeichnet jeden Schnitt selbst, bevor die Schere den Stoff berührt. Kein Kleid ohne den eigenen Namen im Futter.
Ein Kleid ist kein Stoff, der um einen Körper gelegt wird. Es ist eine Architektur, die den Körper erst behauptet.
Séraph arbeitet, wie ein Atelier vor der Konfektion gearbeitet hat: an einem Tisch, mit der Hand, in der Reihenfolge der alten Métiers. Coupe, moulage, broderie, finition. Nichts wird ausgelagert, was den Namen des Hauses trägt.
Der Sitz in Antwerpen ist Absicht. Eine Stadt, die das Unbequeme in der Mode nie gescheut hat, und ein Atelier im Sint-Andries-Viertel, in dem zwei Linien im Jahr entstehen, mehr nicht. Streng im besten Sinn, und genau das ist der Punkt.
Der Körper wird nicht bekleidet, er wird enthüllt, das Gewand ist nur eine zweite Haut, geschnitten aus dem Schatten.
Jede Linie beginnt als Schnitt und endet von Hand. Was sich ändert, ist der Stoff und was er dem Körper zumutet.
Die Erstlinie. Androgyne Schnitte in Wolle und Roßhaar, jede Naht von Hand verstürzt, kein Reißverschluss, nur Häkchen und Öse.
Ein Bruch mit der eigenen Linie. Entfärbte Seide, Kanten offen gelassen, das Futter nach außen gekehrt und trotzdem streng.
Das Tuch als Grundform. Gips-getauchte Baumwolle, im Moulage direkt an der Büste modelliert und erst danach aufgeschnitten.
Asche und Knochen. Ungefärbtes Leinen, mit Eisenoxid grau gebeizt, die Abnäher außen sitzend wie Narben über der Taille.
Die Reihenfolge steht seit hundert Jahren fest. Verschoben wird nur, wie lange jeder Schritt dauern darf.
Jedes Teil beginnt als Zeichnung auf Seidenpapier. Der Fadenlauf wird gelegt, bevor die Schere den Stoff berührt.
Der Stoff wird direkt an der Büste modelliert, mit Nadeln gehalten, gesehen, wieder aufgelöst. Das Volumen entsteht in der Luft.
Am Rahmen, mit der Häkelnadel von unten geführt. Perle für Perle, in der Reihenfolge, in der das Licht sie später trifft.
Der letzte Tag gehört dem, was niemand sieht: der versäuberten Naht innen, dem Saum von Hand, dem Namen ins Futter.
Nur nach Vereinbarung, im Sint-Andries-Viertel. Wer ein Stück in Auftrag gibt, kommt zur ersten Anprobe in die Toile, ungefärbt, roh, ehrlich. Der Rest ist Zeit und Hand.