Erfüllungsfaktor abschätzen
Wir rechnen, was das Tragwerk kann, geteilt durch das, was die Norm verlangt. Das Ergebnis ist eine Zahl, α_eff. Liegt sie über 1, ist die Prüfung hier zu Ende und Sie bezahlen eine Stufe, nicht drei.
Die P-Welle ist schneller als die S-Welle. Aus dem Abstand ihrer Einsätze in einem einzigen Seismogramm folgt die Entfernung zur Station, aber nicht die Richtung. Erst drei Stationen schneiden sich.
Im Fach kursiert eine Regel: mal die Sekunden zwischen P und S mit acht, dann hast du die Kilometer. Sie klingt nach Werkstatt. Sie ist aber nur die ausgerechnete Form von zwei Geschwindigkeiten.
Darum steht in alten Büchern die Acht. Wer sie benutzt, ohne den Bruch zu kennen, merkt nicht, wann sie nicht mehr gilt: unter einer anderen Kruste stehen andere Geschwindigkeiten, und die Acht wird zur Sieben.
Ein Einsatz ist keine Zahl, die ein Gerät ausgibt. Jemand sieht sich das Rauschbett an und sagt: hier, nicht drei Hundertstel früher. Der S-Einsatz ist noch schlechter dran, er liegt in der Coda der P-Welle und ist nie scharf.
Alles danach ist Arithmetik: aus dem Pick wird Δt, aus Δt wird ein Radius, aus drei Radien wird ein Ort. Die ganze Kette hängt an der Hand, die die Marke setzt. Fünf Hundertstel Sekunde daneben sind vierhundert Meter daneben.
Deshalb steht hier eine Unterschrift und keine Gerätenummer. Sie gilt dem Pick, nicht dem Bericht.
Wir setzen einen gedämpften Einmassenschwinger mit der Eigenperiode T unter genau den Zeitverlauf von oben und tragen seine grösste Antwort über T auf. Diese Kurve ist das Antwortspektrum. Sie ist keine Illustration, sie ist die Rechnung selbst: 72 Perioden, jede einzeln integriert.
Bei 30 m liegt T₁ neben der Spitze, der Talboden verstärkt hier um Faktor 1.9. Verschieben Sie die Höhe: um 14.1 m herum passiert etwas, das kein Baustoff verhindert.
Die Norm ist so gebaut, dass sie abbricht, sobald eine Stufe genügt. Wir halten uns daran, auch wenn eine tiefere Stufe mehr Honorar wäre.
Wir rechnen, was das Tragwerk kann, geteilt durch das, was die Norm verlangt. Das Ergebnis ist eine Zahl, α_eff. Liegt sie über 1, ist die Prüfung hier zu Ende und Sie bezahlen eine Stufe, nicht drei.
Unter 1.0 heißt nicht unsicher. Es heißt, dass die Kraftbetrachtung nicht mehr genügt. Mauerwerk trägt Erdbeben über Verformung ab, nicht über Festigkeit. Wir rechnen nichtlinear nach und finden meist Reserven, die der erste Nachweis nicht sieht.
Der unbequeme Teil und der ehrlichste. Die Norm setzt Kosten einer Massnahme ins Verhältnis zu den statistisch geretteten Menschenleben. Über 10 Millionen Franken je gerettetem Leben gilt eine Massnahme als unverhältnismässig. Wir rechnen das aus und schreiben es hin, auch wenn das Ergebnis lautet: nichts tun.
Bleibt eine Massnahme übrig, ist sie meist klein. Ein durchgehender Ringanker, vier Stahlbetonscheiben, eine Fuge, die ein Nachbargebäude vom Anprall trennt. Wir haben in sechzehn Jahren kein Haus abgerissen, weil es bebte.
Eine erste Einschätzung dauert bei uns zwei Stunden und kostet nichts. Danach wissen Sie, ob sich eine Prüfung überhaupt lohnt. Bei etwa jedem vierten Objekt raten wir ab.